Künstlerportrait

Willi Reiche hinter der Zeitmaschine
Willi Reiche

(Jg. 1954)
Studium: 1975–1982 Studium der Kunstgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Unternehmerische
Tätigkeit:
1982–1990 Geschäftsführer Grafische Werkstatt
in Wachtberg-PechKontakt/Anfahrt
Ausstellungen/Projekte: seit 1982Ausstellungen und Projekte
Willi Reiche war bereits während seines Studiums der Kunstgeschichte und parallel zu seiner unternehmerischen Tätigkeit im grafischen Bereich (Serigrafie) künstlerisch aktiv.

Über Jahre hinweg hat Reiche einen beachtlichen Materialfundus angelegt und durch ungewöhnliche Zusammenstellungen unterschiedlicher Elemente Objekte von skurril-bizarrem Charakter geschaffen.
In vielen Arbeiten kombiniert der Künstler die Materialien Holz, Metall und auch Leder miteinander. Mit der Zeit hat sich Reiche jedoch zunehmend der Metallbearbeitung gewidmet. In seiner frühen Metallphase entstanden zum Beispiel „Der Magier“, ein „Selbstportrait“, „My chinese friend“ und andere Figuren, die aufgrund der Verwendung nur weniger, akzentuierter Elemente extrem ausdrucksstark verschiedene Charaktere wiedergeben.
Nach 1992 hat Willi Reiche sich zunächst verstärkt damit befasst, Möbel mit skulpturalem Wesen zu bauen, teils kombiniert mit Holz/Glas oder ausschließlich aus Metall – vorrangig Eisen. Ob Stühle aus Kettengliedern, Tische aus ausgedienten Werkzeugen oder unzähligen Armiereisenabschnitten aufgebaut – die Möbelstücke wirken optisch leicht und fungieren in ihrer Einzigartigkeit zugleich als Raumobjekte.

Ende 1998 begann für Willi Reiche mit der Konstruktion kinetischer Objekte eine neue künstlerische Phase. Seine „Kunstmaschinen“ werden von Elektromotoren angetrieben oder mittels Muskelkraft in Bewegung gesetzt. Willi Reiche hat sich intensiv mit der Bewegung des Dadaismus, dem Surrealismus und insbesondere der Loslösung vom traditionellen Kunstbegriff auseinander gesetzt.
Der Aspekt der Beweglichkeit, das Räderwerk und die Verwendung anachronistischer Relikte wecken unweigerlich Assoziationen zum Werk Jean Tinguelys. Anders als Tinguely mit seinem dadaistischen Hintergrund strebt Reiche mit Perfektion gestalterische Ausgewogenheit an, eine optische und thematische Harmonie, die er jedoch mitunter provokant durchbricht oder gar bewusst 'auf den Kopf' stellt. Reiches Objekte faszinieren, regen die Fantasie an und widmen sich gleichzeitig dem Wandel der Zeit und gesellschaftlichen Veränderungen. In den Dialog von Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem wird der Betrachter – teils interaktiv – miteinbezogen. Die Diktion des Künstlers durch gezielte Inszenierung einzelner Details in neuem Kontext wird dem Betrachter nicht aufgedrängt, sondern es bleibt Raum zur individuellen Art des Entdeckens und zur Interpretation.

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